Samstag, 2. März 2013

Von der Flüchtigkeit der Zeit


Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt richtig in Weihnachtsstimmung war - ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das mindestens zehn Jahre her ist.

2012 sollte das wieder anders werden, hatte ich mir geschworen. Das hatte ich bereits im September geplant (wenn man so etwas überhaupt planen kann). In der Zeit, in der sich der Herbst ankündigt und ich merkwürdigerweise immer zum ersten Mal so etwas wie Vorfreude auf die Weihnachtszeit empfinde.
Ich hatte geplant, dass ich mir ab dem ersten Dezember richtig viel Zeit nehme. Den Stress des Alltags ein wenig hinter mir lasse. Mich mal wieder für vier Stunden in mein Stamm-Starbucks setze - nicht mit dem Laptop oder dem Tablet, sondern mit einem Buch. Ich hatte geplant, etwas zur Ruhe zu kommen. Ab und zu ausgedehnt durch den Wald spazieren zu gehen.

Und dann war plötzlich der Dezember da. Und dann der Januar. Weihnachten war noch schneller vorbei als in den vergangenen Jahren - und ich war noch nie weniger in Weihnachtsstimmung gewesen als diesmal. Getan von dem, was ich mir für Dezember vorgenommen hatte, habe ich nichts.

Ich hatte einfach keine Zeit.

Früher war das anders. Da hatte ich auch stressige Zeiten - habe für mein Abi gelernt und danach studiert, aber trotzdem war die Zeit irgendwie anders. Nicht so dünnflüssig wie heute. Früher konnte ich mir Zeit nehmen, wenn ich es wollte. Wenn ich mich auf Weihnachten (vor)freuen wollte, oder auf andere Dinge. Heute dagegen verrinnt die Zeit mit beängstigender Geschwindigkeit. Die Wochen und Monate fliegen dahin, und je mehr ich versuche, sie festzuhalten, desto flüchtiger wird sie.

Ende September 2011 hatte ich mir mein neues Auto bestellt. Fünf Monate Wartezeit hat mir der Händler angekündigt. Fünf Monate, die sich direkt nach dem Bestellen so endlos angefühlt haben. Nun ist mein Auto bald ein Jahr alt. Wo ist dieses verdammte Jahr hin?

Richtig schlimm wird es aber, wenn ich mir die Zeit zur Besinnung dann doch mal nehme und mir vollkommen bewusst wird, wie wenig ich sie festhalten kann. Als ich im September in Garmisch-Partenkirchen war, hatte ich eine Zigarre dabei, denn für Zigarren MUSS man sich Zeit nehmen.
Ich habe mich also auf dem Weg zum Gipfel der Alpspitze auf einen Felsvorsprung gesetzt und sie geraucht. Habe sonst nichts getan. Ich saß einfach nur da, habe geraucht, die Aussicht ins Tal und die Stille genossen und versucht, diese Stunde, die ich dort saß, irgendwie festzuhalten. Dann war die Zigarre aufgeraucht und ich hatte das Gefühl, ich wäre maximal fünf Minuten dort gesessen. Die Zeit war mir bei vollem Bewusstsein wie Sand durch die Finger gerieselt.

Ich frage mich, wie das werden soll, denn alle Menschen sagen, dass die Zeit umso schneller vergeht, je älter man wird. Dass das Erlebte flüchtiger und flüchtiger wird. Ein 85-jähriger Mann sagte einmal zu meinem Vater: "85 Jahre bin ich jetzt alt - und habe doch das Gefühl, nur mal kurz aus dem Fenster geschaut zu haben". Ich bin ganz ehrlich: Das macht mir Angst.

Aber vielleicht kann ich es doch ein wenig aufhalten. Ein wenig aktiver leben. Mich mehr auf die Gegenwart konzentrieren, statt einfach nur in die Arbeit zu fahren, wieder nach Hause zu kommen, dann zu schlafen - und am nächsten Tag das ganze wieder von vorne. Vielleicht kann ich die Zeit ja doch ein bisschen festhalten, wenn ich mich bemühe.

Eigentlich wollte ich das alles schon direkt nach Weihnachten loswerden. Nur:

Ich hatte einfach keine Zeit.

Freitag, 24. August 2012

Von Schokoladeneiern und "sexistischer Kackscheiße"

Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass je eine Formulierung mich so aufregen würde wie "in Afrika verhungern die Kinder". Lange Zeit stand diese Rundumschlag-Moralkeule einsam an der Spitze der Liste von Formulierungen, die  mich innerhalb kürzester Zeit so richtig auf die Palme bringen - und ich war mir sicher, dass sich das wohl nie ändern wird. Mein Problem: Da wusste ich noch nichts von der "sexistischen Kackscheiße".

Ich konnte leider nicht herausfinden, wer diese Formulierung ursprünglich mal geprägt hat, spielt aber letztlich auch keine Rolle, denn mittlerweile hat sie sich vollkommen verselbstständigt und ist zu einem Synonym geworden. Nur zu einem Synonym für was?

Momentan zu einem Synonym für die unglaubliche Frechheit von Ferrero, Kinder-Überraschungseier "nur für Mädchen" zu produzieren. In Pink! Was für ein unglaublicher Skandal! Und dann sind da auch noch eindeutig weibliche Feen-Figuren drin! Was für eine verdammte sexistische Kackscheiße! Steinigt sie, und anschließend zieht ihnen die Haut ab, den verdammten Chauvi-Schweinen!

Und ich sitze wieder einmal da und frage mich, was eigentlich schief läuft in dieser Welt.

Nur damit das klar ist: Ich befürworte die Emanzipation - in beide Richtungen. Ich finde es wichtig, dass Frauen, wenn sie es möchten, Dachdeckerinnen werden können. Oder Automechanikerinnen. Oder Soldatinnen. Oder Vorsitzende im Aufsichtsrat von globalen Unternehmen. Ebenso wie ich es wichtig finde, dass Männer Erzieher werden können. Oder Grundschullehrer (wie ich fast einer geworden wäre - aber nur fast). Oder Krankenpfleger. Einfach weil ich denke: Wenn ein Mensch einen Traum hat und kein anderer Mensch dadurch zu Schaden kommt, soll er das Recht haben, ihn zu verwirklichen. Unabhängig von jeglichen Geschlechterklischees.

Was mir unglaublich auf den Senkel geht, ist dieser mal mehr, mal weniger subtile Druck, der gerne von mal mehr, mal weniger radikalen Feministinnen auf diese Frauen ausgeübt wird, die das nicht wollen. Auf Mädchen, die pinkfarbene Überraschungseier vielleicht einfach toll finden. Auf Frauen, die tatsächlich gerne am Herd stehen und die Kinder hüten - nicht weil sie dazu erzogen wurden, sondern weil es ihnen Spaß macht. Weil es eine Rolle ist, die sie gerne ausüben, und die sie erfüllt (wie es bei meiner Freundin beispielsweise der Fall ist). Diesen Frauen wird dann gerne eingeredet, dass sie das eigentlich gar nicht wollen. Dass es stattdessen die Gesellschaft ist, die ihnen diese archaischen und anachronistischen Geschlechterklischees so tief eingeimpft hat, dass sie tatsächlich glauben, sie würden ihrem eigenen Willen folgen, wenn sie gerne kochen.

Das ist der Punkt, an dem das gerechtfertigte Streben nach gleichen Rechten für Männer und Frauen zum vielzitierten Krieg der Geschlechter wird. Und auch zum Krieg gegen das eigene Geschlecht, wenn es nicht mitzieht sondern stattdessen die Frechheit besitzt, seinen eigenen Weg gehen zu wollen. Und aus diesem Grund kann ich niemanden ernst nehmen, der sich "radikale Feministin" nennt - weil ich an sich schon niemanden ernst nehmen kann, der sich "radikal" nennt. Mal ganz abgesehen davon, dass "radikaler Feminismus" meist nur eine extrem euphemistische Umschreibung für dumpfen, undifferenzierten und blinden Männerhass ist.
Radikalität begrenzt den Horizont. Sie engt den Blick ein. Sie ist aggressiv. Und letztlich macht sie einen zu etwas, das kein Stück besser ist als das, was man eigentlich bekämpfen wollte. Sie führt dazu, dass ein Riesenfass aufgemacht wird - wegen einer verdammten Süßigkeit! Sie führt dazu, dass man das Zusammenleben von Männern und Frauen, das meiner Ansicht nach so schlecht gar nicht funktioniert, künstlich kompliziert macht und unnötig mit Aggressionen auflädt.

Und das, Leute, das ist dann die wahre Kackscheiße. Das und nichts anderes.

Mittwoch, 15. August 2012

Apple - vom Sympathieträger zum Patenttroll. Geschichte eines Niedergangs

Eigentlich muss ich Apple danken - und das meine ich ernst. Hätte die Firma das erste iPhone in größeren Stückzahlen auf den Markt gebracht, wäre mein Mobilfunk-Leben anders verlaufen.

Ihr erinnert Euch: Vor fünf Jahren revolutionierte Apple den Markt der Smartphones durch das erste iPhone. Es war anders, es war neu, es sah toll aus, jeder wollte es - und (fast) niemand bekam es. Die Stückzahlen zum Marktstart waren (absichtlich?) so gering, dass die Leute teilweise mehrere Monate auf ihr iPhone warten mussten. Ich war einer davon.

Seit 1997 - als ich stolzer Besitzer eines Siemens S6 war - begeisterte ich mich für Handys und wollte das iPhone, sobald ich das erste Bild gesehen und die ersten Erfahrungsberichte gelesen hatte. Ich wollte es sogar noch, als die Telekom mir mitteilte, ich könne es zwar nicht vorbestellen, mich dafür aber als Käufer vormerken lassen. Sollte der Laden dann irgendwann in ferner Zukunft mal wieder eine kleine Ladung Geräte geliefert bekommen, würde man mich anrufen. Und so wartete ich.

Auch nach zwei Monaten wartete ich noch, als mir das Schicksal einen Stoß gab: Mein Sony Ericsson W800i verabschiedete sich, ein neues Handy musste her - und an einem Tag, an dem ich ohnehin schon ein wenig genervt war, dachte ich mir: "Ihr könnt mich, Apple". Ich schickte das W800i in den wohlverdienten Ruhestand, kaufte mir ein Sony Ericsson C902 und war zufrieden.
Ein paar Tage später rief mich die Telekom an und teilte mir mit, dass ich jetzt - falls ich noch wollte - ein iPhone haben könne, es wären ein paar Geräte gekommen. Ich biss mir kräftig in den Hintern und lehnte schweren Herzens ab. Sehr schweren Herzens, denn damals war Apple noch cool. Richtig cool.

Ich fand Apple immer schon irgendwie faszinierend. Die Firma, die Computer und ihre Software hatten eine unkonventionelle und gleichzeitig unvergleichlich ernsthafte Aura. Computer für Profis. Nicht für Spieler, sondern für Anwender. Auf der einen Seite stand der träge, massentaugliche Goliath Microsoft, der die Windows-Allerweltskost für die Durchschnittscomputer von Max Mustermann herstellte. Die Firma, die eigentlich niemand wirklich mochte, deren Produkte aber trotzdem jeder benutzte (mich eingeschlossen). Und auf der anderen Seite der David Apple. Der immer etwas elitäre und schräge, trotzdem aber sympathische und von den Fähigkeiten her haushoch überlegene Underdog.

Und als dann auch noch der iMac erschien, war Apple nicht mehr nur unkonventionell und ernsthaft, sondern auch noch schlicht cool. Hätte ich damals Geld gehabt, ich hätte mir einen iMac gekauft. Und hätte ein Händler meine Seele in Zahlung genommen, hätte ich mich sogar auf diesen Deal eingelassen. Dann kam der iPod. Cool. Dann das iPhone und der iPod Touch. Verdammt cool.

Aber irgendwie sollte es nie sein, dass ich eines der Geräte besessen habe - es kam immer etwas dazwischen. Und heute muss ich sagen: Das war gut so. Sehr gut sogar.

Denn von der Firma, die ich mal bewundert habe und deren Produkte ich immer haben wollte, hat sich Apple in etwas anderes verwandelt. Microsoft war als Goliath zwar nicht sonderlich sympathisch, aber man konnte sich mit der Firma arrangieren. Apple dagegen - mittlerweile selbst zum Goliath geworden - wurde anders. Kontrollsüchtig. Verschlossen. Gierig. (Größenwahnsinnig?) Die Church of Scientology der IT- und Mobilfunkwelt.

Was ist nur passiert? Wie konnte sich dieser kleine, sympathische Underdog in einen außer Kontrolle geratenen Patenttroll verwandeln, der es nicht nur schafft, Patente für Rechtecke mit abgerundeten Ecken und bunten Icons (iPad) zugesprochen zu bekommen, sondern der darüber hinaus auch noch Richter dazu bewegen kann, aufgrund dieser absurden Patente die Produkte der Konkurrenz zu verbieten (wie es das Landgericht Düsseldorf mit dem Samsung Galaxy Tab getan hat)? Ich weiß es nicht, aber ich finde es erschreckend.

Oder eigentlich finde ich es eher beschämend. Ich finde es beschämend, dass eine Firma innerhalb weniger Jahre ihre außergewöhnlichen schöpferischen Talente und ihre hervorragende Reputation komplett über Bord wirft, um stattdessen lieber die Rechtsabteilung aufzupumpen und zu einem "Atomkrieg gegen Android" (sinngemäßes Zitat Steve Jobs) in die Welt zu ziehen. Abmahnung ist die neue Innovation? So etwas erwarte ich von halbseidenen Rechtsanwalts-Kanzleien, nicht aber von einer der ehemals größten schöpferischen Kräfte der IT-Welt.

Ich möchte mich hier nicht darüber auslassen, ob Samsung die Geräte von Apple kopiert hat, denn teilweise war der Vorwurf sicher nicht unberechtigt. Ich betone: War. Doch darum scheint es Apple längst nicht mehr zu gehen, denn die Smartphones anderer Hersteller sind mittlerweile selbst nach massivem Alkoholkonsum nicht mehr mit Apple-Produkten zu verwechseln. Auch nach dem zehnten Bier (sollte man dann überhaupt noch etwas sehen) sieht ein iPhone 4s weder aus wie ein Galaxy Nexus, noch wie ein Samsung Galaxy S3 oder ein HTC One X. Schon alleine wegen des - man verzeihe mir diesen kurzen Seitenhieb - bemitleidenswert kleinen Displays des iPhone. Aber wie gesagt, darum geht es mir nicht.

Es geht mir vielmehr darum, dass Apple bei seinem Kampf gegen Samsung (= Android = Google) jeglichen Maßstab verloren hat. Es geht hier nicht mehr um kopierte Handys von vor vier Jahren, es geht um blinde Rache. Und das ist einfach nur traurig, wenn man bedenkt, was und wie Apple einmal war.

Nach meinem C902 habe ich mir übrigens ein C905 zugelegt. Danach fand ich, es wäre Zeit für ein Smartphone. Es wurde ein HTC Desire. Mein erster Schritt in die Welt von Android, in der ich nach dem HTC Sensation und aktuell dem Galaxy Nexus und dem Asus Transformer Prime heimisch geworden bin und es auch bleiben werde. Und gleichzeitig bleibt mir nur die Gewissheit, dass ich mir nach Apples unzähligen Versuchen, die Konkurrenz lieber im Gerichtssaal statt auf dem freien Markt zu schlagen, in diesem Leben mit Sicherheit kein Produkt der Firma zulegen werde. Und es bleibt die eine Frage:

Wie kann eine ehemals so coole Firma wie Apple nur derart tief sinken?

Montag, 6. August 2012

Ein heilsamer Rückfall in die Welt von Warcraft

Neulich habe ich es getan.

Jahrelang hatte ich mich gewehrt gegen den immer wiederkehrenden Drang. Habe zu Freunden, die mich damit aufgezogen haben, gesagt: Nein, ich fange nicht wieder an. Ich habe das hinter mir. Habe gelacht und abgewunken. Und dann habe ich mir neulich doch wieder einen Account in World of Warcraft zugelegt. Ich habe mein Studium hinter mir, habe einen Job, habe ein geregeltes Leben - hervorragende Voraussetzungen für eine geordnete Rückkehr, so dachte ich. Und diese Rückkehr war das Beste, was mir passieren konnte.

Zunächst war es ein grandioses Gefühl, nach all der langen Zeit wieder in dieser virtuellen Welt unterwegs zu sein, die mich so fasziniert hat und über Jahre hinweg nie wirklich losgelassen hat. Dieses grandiose Gefühl dauerte allerdings lediglich zwei bis drei Tage. Dann kam die Ernüchterung - und dann die Enttäuschung. WoW ist nur noch eine Ruine. Ein Schatten dessen, was das Spiel vor Jahren war.

Früher war WoW wirklich ein Multiplayer-Rollenspiel. Egal wo man sich herumtrieb, man traf reihenweise andere Menschen. Es gab Zeiten, in denen man sich um Mobs und Quest-Gegenstände streiten musste, weil zu viele Spieler gleichzeitig in einem Gebiet unterwegs waren. Das war teilweise nervig, aber letztlich machte es den Reiz des Spiels aus. Die Welt war riesig (nach virtuellen Maßstäben), und doch war man nie alleine. Heute ist das anders.

Heute trifft man außerhalb der Startgebiete und der Städte nur noch sporadisch andere Spieler - ein bis zwei pro Stunde, wenn man Glück hat. Ansonsten zieht man alleine durch die entvölkerte Welt und questet einsam vor sich hin. Dafür ist gleichzeitig in den Hauptstädten ein derartiges Gedränge, dass bei einem nicht ganz so gut ausgestatteten Rechner schon mal die Framerate massiv in die Knie geht, wenn man sich vor den Auktionshäusern aufhält. Warum sollten die Spieler auch die Stadt verlassen? Abgesehen von Quests gibt es keinen Grund mehr, das zu tun - schließlich gibt es überall Versammlungssteine, mit denen man sich in Instanzen, Schlachtfelder oder auf neue Kontinente portieren kann. Bequem für die Gelegenheitsspieler, für den Rest aber eine Katastrophe.

Allerdings ist das nicht das einzige Problem, mit dem sich Wiedereinsteiger wie ich konfrontiert sehen: Die alten Kontinente wurden von Blizzard teilweise schlicht und ergreifend kaputtrenoviert. Der Wald von Ashenvale (neueren Spielern auch als Eschental bekannt), das weite, ruhige Brachland, der geheimnisvolle Silberwald - alles vorbei. Das Brachland ist zerrissen von einer gigantischen Erdspalte, Ashenvale brennt, und der Silberwald ist ein Schlachtfeld voller militärischer Stützpunkte. Und das sind nur drei Beispiele. Es ist nachvollziehbar, dass Blizzard nach so vielen Jahren Veränderungen in WoW vornehmen musste, damit das Spiel auch für Dauerspieler interessant bleibt, aber mussten es unbedingt diese Vorschlaghammer-Veränderungen sein?

Was mich zum nächsten Problem bringt: Das Level-System. Als ich mit WoW angefangen habe, war es ein Gefühl, als hätte man die Zugspitze bestiegen, wenn man Level 60 erreicht hatte. Ok, es ist immer merkwürdig, in einem virtuellen Bereich davon zu sprechen, etwas "erreicht" zu haben, aber trotzdem hat es sich so angefühlt. Und jetzt: Man questet ein paar Stunden, schon ist man Level 20. Man questet ein wenig weiter, schon ist man Level 40. Und so geht es weiter bis Level 80. Erst darüber dauert es ein wenig länger bis zum Aufstieg, vorher aber rennt man förmlich durch die Levels.
Dadurch kommt man zwar schnell voran (falls es darum geht), man sieht aber nichts mehr von der Welt. Denn während man früher ab und zu den Kontinent wechseln musste, weil man auf einem Kontinent bereits alle Quests abgearbeitet hatte, ist man jetzt eher damit beschäftigt, Quests aus dem Log zu werfen, weil man dafür "zu groß" ist. Und kaum hat man ein Gebiet einigermaßen kennengelernt, muss man schon weiterziehen, weil die Quests wegen des schnellen Aufstiegs kaum noch Erfahrungspunkte bringen.

Durch all diese Änderungen geht einer der eigentlich wichtigsten Punkte von WoW verloren: Die unvergleichliche Atmosphäre, die World of Warcraft zum erfolgreichsten MMORPG aller Zeiten gemacht hat. Blizzard hat WoW den Gelegenheitsspielern geopfert, ohne zu erkennen, dass es eigentlich nie wirklich für Gelegenheitsspieler gedacht war.

Und aus dem Grund habe ich nach nur 1 1/2 Monaten mein Abo wieder gekündigt. Vor meinem Wiedereinstieg habe ich WoW vermisst - habe mich in manchen Momenten nach dieser virtuellen Welt zurückgesehnt. Nun weiß ich: Manche Dinge sind irgendwann einfach vorbei. Das ist der Lauf der Dinge, und das ist auch gut so.

Ein weiteres Mal werde ich nicht rückfällig werden.


Ich war Sinenomen, untoter Hexenmeister auf Aman'Thul.

Montag, 21. November 2011

Von Erdbeben, Blumenkübeln und Twitter-Eliten

Ihr erinnert Euch doch sicher noch an das letztjährige Sommer-Thema bei Twitter. Wie aus dem Nichts wurde Twitter von einem umgekippten Blumenkübel heimgesucht, den eine arme Praktikantin der Münsterschen Zeitung in die Welt setzte. Das Thema verselbstständigte sich und sorgte dafür, dass "Blumenkübel" die Twitter-Trends des Tages quasi von hinten aufrollte. Der Tweet ging um die Welt - und die Praktikantin erst mal auf Tauchstation. Ein mittelschweres Erdbeben, entstanden aus einer Nichtigkeit.

Ich weiß, wie solche Phänomene entstehen und kenne die Unberechenbarkeit des Netzes zur Genüge. In der Theorie zumindest.

Nun kenne ich sie auch in der Praxis. Weil ich mich nach einem anstrengenden Arbeitstag nachts noch hingesetzt und mich über ein Thema ausgekotzt habe, das mich den halben Tag genervt hat. So wie ich das halt manchmal mache, wenn mich ein Thema beschäftigt. Dieses Thema fasse ich dann in Worte, twittere es, und ein paar Stunden später sehe ich mir die Statistik meines Blogs an. Dann freue ich mich, dass rund 20 Menschen das gelesen habe, was ich schreibe, und damit ist die Sache wieder gut. Heute Nacht um 3:00 dachte ich, das würde diesmal auch wieder so laufen.

Stattdessen sitze ich nun rund 14 Stunden später an meinem eigentlich ruhig geplanten freien Tag mit dem Laptop auf der Couch und sehe zu, wie die Klickzahlen meines Blogs durch die Decke schießen. Und dann durch die nächste Decke. Und durch die nächste. Und ich kann es immer noch nicht ganz fassen, was da gerade eigentlich passiert, denn scheinbar habe ich da einen Nerv getroffen und etwas angesprochen, was vielen Menschen bei Twitter ein wenig auf den Senkel geht.

Was mich dabei enttäuscht (aber nicht wirklich verwundert) ist die Tatsache, dass die angesprochene "Elite" zwar meinen Blog-Eintrag wahrgenommen hat (womit ich nicht gerechnet hätte) und ordentlich darüber lästert, mich aber dabei nicht persönlich anspricht oder gar mit mir diskutiert. Armselig - aber gut, wie gesagt, verwundert bin ich nicht.

Dafür haben sich aber diverse Twitterer angesprochen gefühlt, die ich gar nicht gemeint hatte - wie beispielsweise @herz_vs_kopf, die auf meinen Blog-Eintrag geantwortet hat. Was mich zum Grund dieses Blog-Eintrags bringt: Ich muss da mal etwas klarstellen, was ich in meinem gestrigen Groll versäumt habe.

Ich bezog meinen Eintrag nicht pauschal auf alle Menschen, die einfach mehr Follower als Followings haben. Es gibt grandiose Wort-Magier in der Welt von Twitter, die einfach lesenswert sind - unabhängig von irgendwelchen Following-Zahlen. Darum ging es mir nicht. Kurz gesagt: Nicht jeder Twitterer, dem deutlich mehr Menschen folgen, als er selbst Menschen folgt, ist ein arroganter Sack (oder eben die weibliche Entsprechung davon).
Es geht vielmehr die komplette Art des Auftretens - um dieses generell zwischen den Zeilen lesbare, vollkommen unberechtigte "ich bin besser als Ihr", wie es eben beispielsweise dem zitierten Tweet zu entnehmen war. Oder wenn mich ein nicht konkret angesprochener, dennoch aber gemeinter Adressat meines Eintrags durch die Blume als "dummes kleines Kind" bezeichnet, obwohl ich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit älter bin als er. Diese, und nur diese Menschen habe ich gemeint, und ganz ehrlich: Ich finde es extrem unterhaltsam, wie sehr sich die Angesprochenen momentan untereinander aufregen - denn wie haben mir heute schon so viele User geschrieben: "Getroffene Hunde bellen".

Und während ich das gerade schreibe, stelle ich fest: #Twitterelite ist in den Toptrends auf Platz drei. Ich habe - ohne es zu wollen - einen Twitter-Trend ausgelöst. Das ist krank. Und wenn ich ehrlich bin, macht es mir auch ein wenig Angst. Aber egal.

Es wäre vermessen, zu sagen, dass das ein Beweis für die Richtigkeit meiner Sichtweise ist. Nur weil eine Sichtweise heiß diskutiert wird, bedeutet das nicht automatisch, dass sie richtig ist. Es zeigt aber doch, dass das Thema enorm unter Dampf steht - und dass da vermutlich noch so einige Überraschungen auf mich warten.


Ich bin gespannt.