Montag, 6. August 2012

Ein heilsamer Rückfall in die Welt von Warcraft

Neulich habe ich es getan.

Jahrelang hatte ich mich gewehrt gegen den immer wiederkehrenden Drang. Habe zu Freunden, die mich damit aufgezogen haben, gesagt: Nein, ich fange nicht wieder an. Ich habe das hinter mir. Habe gelacht und abgewunken. Und dann habe ich mir neulich doch wieder einen Account in World of Warcraft zugelegt. Ich habe mein Studium hinter mir, habe einen Job, habe ein geregeltes Leben - hervorragende Voraussetzungen für eine geordnete Rückkehr, so dachte ich. Und diese Rückkehr war das Beste, was mir passieren konnte.

Zunächst war es ein grandioses Gefühl, nach all der langen Zeit wieder in dieser virtuellen Welt unterwegs zu sein, die mich so fasziniert hat und über Jahre hinweg nie wirklich losgelassen hat. Dieses grandiose Gefühl dauerte allerdings lediglich zwei bis drei Tage. Dann kam die Ernüchterung - und dann die Enttäuschung. WoW ist nur noch eine Ruine. Ein Schatten dessen, was das Spiel vor Jahren war.

Früher war WoW wirklich ein Multiplayer-Rollenspiel. Egal wo man sich herumtrieb, man traf reihenweise andere Menschen. Es gab Zeiten, in denen man sich um Mobs und Quest-Gegenstände streiten musste, weil zu viele Spieler gleichzeitig in einem Gebiet unterwegs waren. Das war teilweise nervig, aber letztlich machte es den Reiz des Spiels aus. Die Welt war riesig (nach virtuellen Maßstäben), und doch war man nie alleine. Heute ist das anders.

Heute trifft man außerhalb der Startgebiete und der Städte nur noch sporadisch andere Spieler - ein bis zwei pro Stunde, wenn man Glück hat. Ansonsten zieht man alleine durch die entvölkerte Welt und questet einsam vor sich hin. Dafür ist gleichzeitig in den Hauptstädten ein derartiges Gedränge, dass bei einem nicht ganz so gut ausgestatteten Rechner schon mal die Framerate massiv in die Knie geht, wenn man sich vor den Auktionshäusern aufhält. Warum sollten die Spieler auch die Stadt verlassen? Abgesehen von Quests gibt es keinen Grund mehr, das zu tun - schließlich gibt es überall Versammlungssteine, mit denen man sich in Instanzen, Schlachtfelder oder auf neue Kontinente portieren kann. Bequem für die Gelegenheitsspieler, für den Rest aber eine Katastrophe.

Allerdings ist das nicht das einzige Problem, mit dem sich Wiedereinsteiger wie ich konfrontiert sehen: Die alten Kontinente wurden von Blizzard teilweise schlicht und ergreifend kaputtrenoviert. Der Wald von Ashenvale (neueren Spielern auch als Eschental bekannt), das weite, ruhige Brachland, der geheimnisvolle Silberwald - alles vorbei. Das Brachland ist zerrissen von einer gigantischen Erdspalte, Ashenvale brennt, und der Silberwald ist ein Schlachtfeld voller militärischer Stützpunkte. Und das sind nur drei Beispiele. Es ist nachvollziehbar, dass Blizzard nach so vielen Jahren Veränderungen in WoW vornehmen musste, damit das Spiel auch für Dauerspieler interessant bleibt, aber mussten es unbedingt diese Vorschlaghammer-Veränderungen sein?

Was mich zum nächsten Problem bringt: Das Level-System. Als ich mit WoW angefangen habe, war es ein Gefühl, als hätte man die Zugspitze bestiegen, wenn man Level 60 erreicht hatte. Ok, es ist immer merkwürdig, in einem virtuellen Bereich davon zu sprechen, etwas "erreicht" zu haben, aber trotzdem hat es sich so angefühlt. Und jetzt: Man questet ein paar Stunden, schon ist man Level 20. Man questet ein wenig weiter, schon ist man Level 40. Und so geht es weiter bis Level 80. Erst darüber dauert es ein wenig länger bis zum Aufstieg, vorher aber rennt man förmlich durch die Levels.
Dadurch kommt man zwar schnell voran (falls es darum geht), man sieht aber nichts mehr von der Welt. Denn während man früher ab und zu den Kontinent wechseln musste, weil man auf einem Kontinent bereits alle Quests abgearbeitet hatte, ist man jetzt eher damit beschäftigt, Quests aus dem Log zu werfen, weil man dafür "zu groß" ist. Und kaum hat man ein Gebiet einigermaßen kennengelernt, muss man schon weiterziehen, weil die Quests wegen des schnellen Aufstiegs kaum noch Erfahrungspunkte bringen.

Durch all diese Änderungen geht einer der eigentlich wichtigsten Punkte von WoW verloren: Die unvergleichliche Atmosphäre, die World of Warcraft zum erfolgreichsten MMORPG aller Zeiten gemacht hat. Blizzard hat WoW den Gelegenheitsspielern geopfert, ohne zu erkennen, dass es eigentlich nie wirklich für Gelegenheitsspieler gedacht war.

Und aus dem Grund habe ich nach nur 1 1/2 Monaten mein Abo wieder gekündigt. Vor meinem Wiedereinstieg habe ich WoW vermisst - habe mich in manchen Momenten nach dieser virtuellen Welt zurückgesehnt. Nun weiß ich: Manche Dinge sind irgendwann einfach vorbei. Das ist der Lauf der Dinge, und das ist auch gut so.

Ein weiteres Mal werde ich nicht rückfällig werden.


Ich war Sinenomen, untoter Hexenmeister auf Aman'Thul.

1 Kommentar:

  1. So einen heilsamen Rückfall hatte ich auch ;)

    Da hast du vollkommen recht. Jetzt braucht man seinen Char nur noch auf Level 15 bringen und kann dann dank dem Dungeon-Finder bis LVL 85 einen Dungeon nach den anderen machen. Man kennt ihn nicht, auch kein Problem, die Bosse sind so einfach geworden, man muss sie nicht mehr kennen. Und das gewünschte Item droppt nicht? Auch kein Problem beim Händler gibt es gegen erspielte Punkte eh viel bessere Gegenstände.

    Die Zeiten bei denen man mit 40 Leuten im Teamspeak war und einer panisch rumgeplärrt hat sind endgültig vorbei...

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