Freitag, 24. August 2012

Von Schokoladeneiern und "sexistischer Kackscheiße"

Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass je eine Formulierung mich so aufregen würde wie "in Afrika verhungern die Kinder". Lange Zeit stand diese Rundumschlag-Moralkeule einsam an der Spitze der Liste von Formulierungen, die  mich innerhalb kürzester Zeit so richtig auf die Palme bringen - und ich war mir sicher, dass sich das wohl nie ändern wird. Mein Problem: Da wusste ich noch nichts von der "sexistischen Kackscheiße".

Ich konnte leider nicht herausfinden, wer diese Formulierung ursprünglich mal geprägt hat, spielt aber letztlich auch keine Rolle, denn mittlerweile hat sie sich vollkommen verselbstständigt und ist zu einem Synonym geworden. Nur zu einem Synonym für was?

Momentan zu einem Synonym für die unglaubliche Frechheit von Ferrero, Kinder-Überraschungseier "nur für Mädchen" zu produzieren. In Pink! Was für ein unglaublicher Skandal! Und dann sind da auch noch eindeutig weibliche Feen-Figuren drin! Was für eine verdammte sexistische Kackscheiße! Steinigt sie, und anschließend zieht ihnen die Haut ab, den verdammten Chauvi-Schweinen!

Und ich sitze wieder einmal da und frage mich, was eigentlich schief läuft in dieser Welt.

Nur damit das klar ist: Ich befürworte die Emanzipation - in beide Richtungen. Ich finde es wichtig, dass Frauen, wenn sie es möchten, Dachdeckerinnen werden können. Oder Automechanikerinnen. Oder Soldatinnen. Oder Vorsitzende im Aufsichtsrat von globalen Unternehmen. Ebenso wie ich es wichtig finde, dass Männer Erzieher werden können. Oder Grundschullehrer (wie ich fast einer geworden wäre - aber nur fast). Oder Krankenpfleger. Einfach weil ich denke: Wenn ein Mensch einen Traum hat und kein anderer Mensch dadurch zu Schaden kommt, soll er das Recht haben, ihn zu verwirklichen. Unabhängig von jeglichen Geschlechterklischees.

Was mir unglaublich auf den Senkel geht, ist dieser mal mehr, mal weniger subtile Druck, der gerne von mal mehr, mal weniger radikalen Feministinnen auf diese Frauen ausgeübt wird, die das nicht wollen. Auf Mädchen, die pinkfarbene Überraschungseier vielleicht einfach toll finden. Auf Frauen, die tatsächlich gerne am Herd stehen und die Kinder hüten - nicht weil sie dazu erzogen wurden, sondern weil es ihnen Spaß macht. Weil es eine Rolle ist, die sie gerne ausüben, und die sie erfüllt (wie es bei meiner Freundin beispielsweise der Fall ist). Diesen Frauen wird dann gerne eingeredet, dass sie das eigentlich gar nicht wollen. Dass es stattdessen die Gesellschaft ist, die ihnen diese archaischen und anachronistischen Geschlechterklischees so tief eingeimpft hat, dass sie tatsächlich glauben, sie würden ihrem eigenen Willen folgen, wenn sie gerne kochen.

Das ist der Punkt, an dem das gerechtfertigte Streben nach gleichen Rechten für Männer und Frauen zum vielzitierten Krieg der Geschlechter wird. Und auch zum Krieg gegen das eigene Geschlecht, wenn es nicht mitzieht sondern stattdessen die Frechheit besitzt, seinen eigenen Weg gehen zu wollen. Und aus diesem Grund kann ich niemanden ernst nehmen, der sich "radikale Feministin" nennt - weil ich an sich schon niemanden ernst nehmen kann, der sich "radikal" nennt. Mal ganz abgesehen davon, dass "radikaler Feminismus" meist nur eine extrem euphemistische Umschreibung für dumpfen, undifferenzierten und blinden Männerhass ist.
Radikalität begrenzt den Horizont. Sie engt den Blick ein. Sie ist aggressiv. Und letztlich macht sie einen zu etwas, das kein Stück besser ist als das, was man eigentlich bekämpfen wollte. Sie führt dazu, dass ein Riesenfass aufgemacht wird - wegen einer verdammten Süßigkeit! Sie führt dazu, dass man das Zusammenleben von Männern und Frauen, das meiner Ansicht nach so schlecht gar nicht funktioniert, künstlich kompliziert macht und unnötig mit Aggressionen auflädt.

Und das, Leute, das ist dann die wahre Kackscheiße. Das und nichts anderes.

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